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Orgelfrühling Steiermark

Wechselnde Stimmungen

Werke von Reiko Yamada
Mittwoch, 02.06.21 - 20:00

Die Komponistin Reiko Yamada, die in den letzten Jahren immer wieder Auftragswerke für den Orgelfrühling Steiermark geschaffen hat, war in 2018 Styrian-Artist-in-Residence (St.A.i.R.) des Landes Steiermark und Gast am Zentrum für Orgelforschung der Kunstuniversität Graz, für ihre künstlerischen Forschungen im Bereich der Imperfektion in der Komposition.

Damals wurden drei ihrer Werke im Rahmen des Orgelfrühlings uraufgeführt, die die Imperfektion bei verschiedenen Aspekten der Orgel erkunden: räumliche Klangverteilung, Stimmungssysteme und die Mechanik der Orgel.

Das Projekt Orgelfrühling 2020.2021.transformationen bringt nun einen Video-Live-Mitschnitt dieser spannenden Aufführung aus dem R3 des Grazer Palais Schwarzenberg zum Nachhören und -erleben.


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Streaming: 2. bis 16. Juni 2021


Einführung von Reiko Yamada

Zu diesem Projekt

Mein Name ist Reiko Yamada.
Ich bin die Komponistin der drei Stücke, die Sie gleich erleben werden.
Das Konzert wurde im Juni 2018 uraufgeführt, als Ergebnis der Zusammenarbeit mit meinen lieben Freund_innen Christina, Barbara und Aleksey.
Die Geschichte dieser künstlerischen Forschung ist Folgende:

Einst gab es in der westlichen Welt mehrere Stimmungssysteme.
Ihre Koexistenz machte das Erschaffen von Musik unbequem, unpraktisch, zeitaufwendig und dennoch vielfältig. Im Laufe der Jahrhunderte wurden sie dann nach und nach alle durch ein einziges System, die „gleichschwebende Stimmung“ ersetzt.
Wenn wir als Musikschaffende und -hörende unreflektiert die gleichschwebende Stimmung als einzig mögliches Stimmsystem akzeptieren, was akzeptieren wir dann sonst noch auf diese Art?

Unter Verwendung einer speziellen Orgel, die es dem Interpreten erlaubt, ihre Stimmung in Echtzeit zu verändern, haben ich als Komponistin und die Mitwirkenden als Interpret_innen diese Fragen durch Kreation und Aufführung erforscht.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß.

Reiko Yamada

Zu den einzelnen Werken
1/12 Komma für E-Orgel solo

1/12 Komma für E-Orgel solo ist für einen MIDI-Spieltisch mit Multikanal-Klangprojektion geschrieben. 1/12 Komma bezieht sich auf den entstehenden Abstand zwischen reiner Intonation und gleichschwebender Stimmung (dem modernen westlichen Stimmungssystem) beim Intervall der reinen Quinte.
Dieses von der perfekten Quinte geprägte Werk geht auf die Suche nach der Essenz der reinen Stimmung, indem harmonische Inhalte auf vielfältige Weise räumlich verteilt werden. In dieser virtuosen Komposition werden reine Intervalle in den Kontext von Multikanal-Klangprojektionen gestellt.


524288=531441 für Violine und E-Orgel

524288=531441 für Violine und E-Orgel ist für eine E-Orgel mit DynTune-System geschrieben.
DynTune gestattet der/dem SpielerIn, die Stimmung der Orgel mithilfe eines Fußpedals in Echtzeit zu modifizieren. Die Orgel als Instrument mit vorgegebener Stimmung wandelt sich in diesem Werk zu einem Instrument mit flexibler Stimmung, genau wie eine Violine.
Zwei InstrumentalistInnen sollen ihre Intonation fortwährend anpassen, um entweder gestimmt oder verstimmt zueinander zu spielen. Dadurch stehen sie für unsere großen Bemühungen und die unvollkommenen Lösungen in Bezug auf musikalische Stimmungen.
Die beiden Zahlen 524288 und 531441 beziehen sich auf das pythagoreische Komma, eine der Abweichungen im reinen Stimmungssystem.


7:8 für Tänzerin und Elektronik

7:8 für Tänzerin und Elektronik entstand in Zusammenarbeit mit der Performancekünstlerin Christina Lederhaas. Das einfache akustische Verhältnis 7:8 fällt zwischen die große Sekunde und die kleine Terz und passt nicht in das gebräuchliche westliche 12-Ton-Stimmungssystem. Inspiriert von der Nutzung der Orgelmechanik im Vergleich zum menschlichen Körper, möchte dieses gemeinsame Werk im feinen Raum zwischen verschiedenen Medien namenlose Beziehungen zwischen Klängen und Bewegungen der Orgel-Performance ausfindig machen.



Mitwirkende

Reiko Yamada, Kompositionen
Aleksey Vylegzhanin, E-Orgel
Barbara Lüneburg, Violine
Christina Lederhaas, Performance

Sponsor

ICFO – The Institute of Photonic Sciences, Barcelona

ICFO