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Orgelfrühling Steiermark

Portrait

Petr Eben
Mittwoch, 05.05.21 - 12:00
GrazDom

Komponistinnen und Komponisten im Orgelfrühling

Im Rahmen des Projekts Orgelfrühling Steiermark 2020.2021.transformationen stellen wir Ihnen an dieser Stelle ausgewählte Künstlerinnen und Künstler vor.

Im ersten Beitrag lernen Sie den Komponisten Petr Eben und seine Musik kennen.

Zwiesprache

Junge Musikerinnen und Musiker haben im Rahmen der CD Reihe "Klangdebüts" unter dem Titel Zwiesprache kammermusikalische Werke Petr Ebens mit Orgel im Grazer Dom aufgenommen.

Anlässlich des Projekts Orgelfrühling 2020.2021.transformationen stellt die Kunstuniversität Graz die vollständige CD online zum Anhören zur Verfügung.

Die Werke und Interpret*innen

Zwei Invokationen
Margareth Tumler, Orgel
Ivan Horvát, Posaune

Landschaften von Patmos
Zita Szeitl, Orgel
Michael Fuchs, Schlagzeug

Fantasie 'Rorate coeli'
Anikó Koroknai, Orgel
Meng-Jung Tsai, Viola

Lied der Ruth
Anikó Koroknai, Orgel
Judith Mayer, Gesang

Drei Jubelrufe
Margaeth Tumler, Orgel
Matthias Bistan & Stefan Karner, Trompete
Ivan Horvát & Andreas Oblasser, Posaune

Link

Über diesen Link gelangen Sie direkt zur Aufnahme, auf der Seite der Kunstuniversität Graz:

Zwiesprache


Petr Eben

Die Lebensgeschichte Petr Ebens, geboren 1929 im tschechischen Žamberk, war maßgeblich geprägt durch die politischen Umwälzungen des vergangenen Jahrhunderts. Als Kind erlebte er wie der Vater, sein Bruder und er in ein KZ verschleppt wurden. Später konnte er unter einem totalitären Regime seinen Glauben und folglich auch seine Beschäftigung mit der Kirchen- und der damit assoziierten Orgelmusik weitgehend nur im Geheimen leben.
Die warmherzig-offene und lebensfrohe Natur des Menschen Petr Eben konnte all das jedoch nicht verbittern – wohl jeder der ihn persönlich kennen lernen durfte fand sich spontan vereinnahmt von seiner angenehmen und herzlichen Art.

Schon als Kind hatte sich Petr Eben in den Kopf gesetzt „um jeden Preis“¹ Musiker zu werden.
Als 10-Jähriger schrieb er die ersten Kompositionen, früh entdeckte er seine große Affinität zum Instrument Orgel, die ihn zeitlebens begleitete.

Er studierte in Prag Klavier und Komposition und arbeitete zunächst als Musikdramaturg beim Fernsehen.
1955 wurde er Dozent für Musikwissenschaft an der Prager Karls-Universität, 1978 Professor für Komposition am Royal College of Music in Manchester. Er kehrte wenig später als Dozent zurück nach Prag, wo er 1990 die Präsidentschaft des Festivals Prager Frühling übernahm und 1991 zum Professor für Komposition an der Akademie der Musischen Künste ernannt wurde.

Als Klavier- und Orgelimprovisator feierte Eben internationale Erfolge; für sein kompositorisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, bspw. den Stamitz-Preis der deutschen Künstlergilde, den Orden Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres und den Preis der Europäischen Kirchenmusik.
Sein Werk umfasst u. a. die Gattungen Oper, Oratorium, Konzert, Chor- und Kammermusik, wobei Eben zeitlebens einen Schwerpunkt auf die Bereiche der sakralen Musik und der Orgelliteratur legte.

Wir finden in seinem Œuvre Messvertonungen, Antiphonen, Psalmen, Versperae und liturgische Gesänge, das Prager Te Deum das Oratorium Heilige Zeichen oder die Kirchenoper Jeremias.
Eben bemühte sich in allen seinen Werken um die Prägnanz der zugrunde liegenden Botschaft, indem jeder Komposition ein inneres Programm und Sendungsbewusstsein zugrunde liegt, das dem Hörer z. B. durch konsequente motivische Arbeit mit gregorianischen Chorälen oder Volksliedern nahe gebracht werden soll.
Eine „Dienerschaft der Musik, entgegen der Auffassung des Komponierens als Selbstverwirklichung“¹ nannte Eben die liturgische Musik, wohingegen er als geistliche Musik die hinter einer Komposition stehende Haltung bzw. thematische Aussage und damit die Gesamtheit seiner Werke verstand: „In diese Kategorie gehören alle meine Themen: Humanismus, Liebe und Friede unter den Menschen, Orientierung auf alles Schöne, von der Architektur Prags bis hin zu Chagalls Fenstern, der Einklang mit der Poesie […]“¹

Die Bedeutung seiner Orgelwerke (Sonntagsmusik, Laudes, Vier Biblische Tänze etc.) für die zeitgenössische Literatur kann wohl nicht hoch genug eingeschätzt werden. Eben verstand es meisterhaft auf das Instrument und seine sonst oft weniger ausgeschöpften spieltechnischen Möglichkeiten einzugehen und vertraute ihm dazu (vgl. Faust, Hiob oder Das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens) Sujets von universeller Relevanz an.
Damit sowie durch die anspruchsvollen Solopartien der beiden großen Symphonien für Orgel und Orchester leistete er einen wesentlichen Beitrag zur Emanzipierung der Orgel als virtuoses Konzertinstrument.
Petr Eben starb 2007 im Alter von 78 Jahren in Prag.

¹ zitiert nach: K. Vondrovicová, Petr Eben – Leben und Werk (Schott, Mainz 2000)


Weiterführende Lektüre

Über den folgenden Link gelangen Sie zum 8. Band der Studien zur Orgelmusik von Musikwissenschaftler Michael Heinemann, mit Beiträgen von Birger Petersen und Ludger Udolph. In der ausführlichen, "Zur Orgelmusik Petr Ebens" betitelten Schrift finden Sie u. a. Werksanalysen zu allen auf der CD Zwiesprache eingespielten Werken.

Zur Orgelmusik Petr Ebens